Es stand fest: wir wollten Meer.

Nachdem uns die Blue Mountains mit ihrem windigen Wetter zwar einige bleibende Eindrücke hinterlassen haben, wollten wir nun aber endlich ans Wasser. Unsere letzte Stranderfahrung lag mit dem Royal National Park ja nun schon etwas weiter zurück. 

Auf Wikicamps fanden wir dann auch recht schnell einen neuen Spot: Caves Beach, also „Höhlen-Strand“. Klingt interessant, hat Toiletten, fließendes Wasser und Barbecue-Grills (was in Australien keine Seltenheit ist – hier stehen tatsächlich öffentlich, mit Strom versorgte Heizplatten, an Campingplätzen). 

Vom Bulls Camp Reserve ging es dann los, 190km nach Caves Beach – aber nicht ohne vorher Peter zu treffen. Peter (englisch aussprechen bitte ;D) ist ein deutscher (jetzt australischer?) Rentner, der seit über 50 Jahren in Oz lebt. Er verließ Deutschland damals nach dem Krieg und lebt seither mit seiner Frau – die leider vor einigen Monaten verstarb – in Australien. Als er von unseren Plänen hörte erzählte er selbst, leicht stolz aber auch mit etwas Wehmut in der Stimme, dass er und seine Frau selbst schon 2 mal um ganz Australien gereist sind und trotzdem noch nicht alles gesehen haben, was es hier zu entdecken gibt. Jetzt reist er alleine in seinem Cabrio weiter und hält so wahrscheinlich Erinnerungen und sich selbst zusammen. Bevor wir los sind gab er uns seine Kontaktdetails und forderte uns auf, wir müssen ihn unbedingt in Sydney besuchen wenn wir mit unserer Runde fertig sind. Für alle Kinder sei gesorgt, er habe ein Haus und freue sich über jede Gesellschaft. Wir wünschten uns gegenseitig eine gute Reise und wir hoffen inständig Peter nochmal wieder zu sehen.

In Caves Beach angekommen, entpuppte sich der Ort – wie sehr viele Ortschaften an Küsten – schnell als wohlhabende Gegend. Viele Hundebesitzer ließen ihre kleinen und großen Gefährten am Strand frei laufen, einige Surfer wagten sich in die Wellen und ein paar Vans standen bereits am Campingplatz und empfingen uns mit einem freundlichen Nicken. Also schnell den Van geparkt, die Kamera geschnappt und ein den Ort erkundet, irgendwo muss ja auch eine Höhle sein, heißt ja nicht umsonst Caves Beach 😀

Wie sich rausstellte, lag die Höhle direkt am Strand, wahrscheinlich durch Ebbe und Flut stetig aus dem Stein gewaschen und somit für Besucher zugänglich gemacht. Wir konnten bequem in der Höhle stehen, zwei kleine Ausgänge erkunden und die Gezeiten beobachten. Wenn man nicht ganz aufpasst, wie das bei uns beinahe der Fall war, kann es schwierig werden, wieder trocken aus der Höhle zu kommen, da die Flut den schmalen Landweg recht schnell überschwemmt. 

Über die knapp 4 Tage die wir dort verweilten, war die Höhle immer wieder Ausgangspunkt kleiner Fototrips auf denen ich mich so richtig austoben konnte. Das Spiel der Gezeiten bot perfekte Gelegenheit, die ND-Filter rauszuholen und Langzeitbelichtungen mal wieder etwas zu üben. Die Effekte, die dabei entstehen können sind fantastisch. Durch dickes Glas vor der Kamera wird künstlich die Belichtungszeit erhöht, was am Ende dafür sorgt, dass Bewegungen im Bild verschwimmen, Wellen werden in ihrer Bewegung dargestellt, Wasserströme sind deutlich erkennbar und bei extrem langen Belichtungen wird Wasser fast nebulös, verschwimmt es doch quasi vor der Kamera und erscheint eher wie flüssiger Stickstoff als wie „solides“ Wasser. 

Auch hatte es mir die Fauna unter Wasser sehr angetan. Das Wasser ließ durch seine klare Oberfläche sämtliche Details im Untergrund erkennen und offenbarte uns eine kleine grüne Pflanzenwelt, die wir so noch nicht gesehen hatten. Zusammen mit dem ständigen Auf und Ab des Meeres gab es hier hunderte Motive, die ich natürlich alle versuchte zu erkunden und abzulichten.

Dabei ging es dann auch öfter mal direkt mit der Ausrüstung ins Wasser, für viele Fotografen ein Alptraum, da die meisten Kamerabodys nicht spritzwassergeschützt oder gar wasserdicht sind. Hier konnte neben meiner Kamera auch mein Stativ dann mal zeigen, was es drauf hat – absolut sicher stand es, selbst knietief in den Wellen: top 😀

Am Ende unseres Kurzurlaubs in Caves Beach fanden wir dann noch einen Aufstieg rauf auf die Klippen, mit Blick auf Küstenlinie und Ozean. Den Spot haben wir dann ebenfalls noch ausgiebig erkundet, einige Techniken probiert um am Ende vom Regen überrascht zu werden. Während wir also langsam abpackten um in den Van zu gehen – denn eine zweite Erkältung wollte ich mir erstmal nicht zumuten – wurden wir am Ende noch Zeuge von einem wunderbaren Regenbogen, direkt am Strand. Kitschig hoch 10 aber total sehenswert dafür ein bisschen nass zu werden. Kamera also fix wieder raus und noch ein kleines Panorama geschossen um den ganzen Regenbogen einzufangen.

Dann aber wirklich fix ins Auto, Gepäck verstaut, wir wollten ja auch bald wieder weiter fahren!:)