Humans of Leipzig war schon immer eine Verlockung für mich, die ihre Fallstricke hatte. Ich weiß, dass der Reiz im Interview, die Geschichten der Person zu entdecken, enorm ist. Auch weiß ich, dass Humans of Leipzig, wie schon in New York, Amsterdam und Dresden gezeigt, die Menschen zusammen bringen kann, ihnen zeigen kann, dass mehr hinter den alltäglich anonymen Gesichtern steckt, die in den Städten an uns vorbeilaufen um dann mal früher, mal später, wieder vergessen zu werden.

Doch dieses Projekt ist anders. Humans of Leipzig ist „mein Projekt“ und doch nicht „mein“ Projekt. Es sollte den Fokus immer auf die Menschen vor der Kamera, nicht die eine Person hinter die Kamera setzen und doch schreibe ich nun einen Blog. Wieso also?

Ich denke, es ist auch wichtig, zu erzählen und zu berichten, wie Humans of Leipzig entstand, sich entwickelt und wo es einmal hingeht, denn nur so, denke ich, kann auch hinter der Kulisse des anonymen Befragers ein Dialog stattfinden, der es ermöglicht, Transparenz zu schaffen.

Zwei Dinge sind also für das erste das Ziel dieses Blogs:

1.) Berichterstattung

2.) Dialog

 

1. Berichterstattung

 

Was passiert eigentlich so bei Humans of Leipzig, wieso fängt jemand so ein Projekt an und welche Gedanken, Hoffnungen und vielleicht auch Zweifel sind damit verbunden?

Wieso ich Humans of Leipzig quasi neu gegründet habe (es gab ja bereits mehrere stillgelegte Projekte) ist recht schnell erklärt: Ich mag die Idee. Wie in der Einleitung bereits erwähnt, kann ein solches Projekt die Menschen zusammenbringen aber mich persönlich auch bilden, in Ausdauer, Geduld, Verständnis und Mitgefühl. Ich bin der Überzeugung, das sind Qualitäten, an denen Arbeit nie fehl am Platze ist.

Die Gedanken und Hoffnungen, die ich mit Humans of Leipzig verbinde, sind schwierig in einer kurzen Einleitung zu erfassen. Das Hauptproblem ist die ständige Angst des Scheiterns. Gerade Humans of Leipzig scheint eine Karriere von Abbrüchen zu haben. Bei der Recherche ergaben sich unter anderem Websiten, Instagram-Accounts und diverse Facebookseiten, alle verstreut von Null bis ein knappes dutzend Interviews, variierend in ihrem Ansatz, manche treuer am Original von Brandon (Humans of New York), andere experimentierfreudiger, mit eigenen Ansätzen. Was alle jedoch vereinte: niemand betrieb diese Projekte sehr lange. Das längste Projekt hielt 4 Monate und brachte 7 Interviews hervor und liegt seit über einem Jahr (Oktober 2015) still. Das ist ärgerlich, jedoch auch verständlich, wenn man qualitativ gute Arbeit abgeben möchte, um diesem Namen gerecht zu werden. In einem früheren Projekt von mir („Geschichten“) habe ich den Aufwand der hinter solch einem Vorhaben steckt, kennengelernt. Mehrere Stunden Audiomaterial wollen ausgewertet, verschriftlicht, Bilder bearbeitet, beschriftet und hochgeladen werden. Das alles, neben dem eigentlichen Job, unentgeltlich. Es ist also nur nachvollziehbar, dass solche massiven Projekte stillgelegt werden oder – wie im Falle Dresdens – von mehreren Personen bewältigt werden müssen – auch dies bedeutet am Ende jedoch organisatorischen Aufwand.

Meine ersten Schritte bei Humans of Leipzig waren – und sind es immer noch – extrem ängstlich, fast zurückhaltend. Auch wenn dies im Gespräch (hoffentlich) nicht merkbar ist, fällt es mir oft schwer, trotz umwerfend positiver Bestärkung von Freunden, wie auch den interviewten Personen, raus zu gehen und gezielt Menschen anzusprechen. Es fühlt sich schwieriger an, als es am Ende ist und nach jedem erfolgreichen Interview ärgere ich mich mehr über meine eigenen, irrationalen Ängste aber ich denke, das ist der Preis, wenn man sich der Welt so preis gibt, obwohl man doch nur hinter der Kamera Bericht erstattet. Ich vergleiche konstant. Oft bin ich kritisch, wenn das Foto meine Erwartungen nicht erfüllt, ich am Ende des Tages merke, was ich vergessen habe zu fragen und wieso ich eigentlich nicht noch dies und jenes fotografiert habe, um die Geschichte besser darzustellen. All diese kleinen Fehler, blockieren oft den Blick auf das große Ganze, dass dieses Projekt erst am Anfang steht und das jeder Schritt Lernen ist.

Aber, wie gesagt, trotz allem gibt mir Humans of Leipzig ein wunderbares Gefühl, denn entgegen meiner Ängste und der Meinung anderer, habe ich bisher fast nur Zusagen erhalten, alle haben mich offen empfangen und mir auf meine Fragen Rede und Antwort gestanden, ich hatte viele lustige und spannende Gespräche, ich habe echte Geschichten gehört, wie sie nur das Leben schreiben kann und ich habe tolle Menschen kennengelernt.

 

2. Dialog

 

Dieser liegt nun bei euch. Zu einem Dialog gehören schließlich immer mindestens 2 Seiten. Ich freue mich wirklich über jeden Kommentar, jede Idee, jedes aufmunternde Wort und auch jede Kritik. Langfristig würde ich gerne neue Projekte, als auch die Richtung in die sich Humans of Leipzig entwickelt genau in diesem Dialog hier mit euch erarbeiten. Humans of Leipzig ist eben nur zum Teil „mein“ Projekt. Ich denke, dass ein reger Austausch, die Chancen minimiert, dass so ein immenses Vorhaben scheitert. Humans of Leipzig ist dann nämlich auch irgendwo euer und damit „unser Projekt.“

 


/Humansofleipzigofficial
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