Das große Finale
Thailand

Und da waren wir nun, am letzten Punkt unserer Reise und alles fühlte sich ein wenig anders an. In den verbleibenden zwei Wochen erkundeten wir Bangkok aus zwei verschiedenen Perspektiven und fuhren noch einmal an den Strand Thailands um ein wenig Urlaubsfeeling zu genießen. Wie üblich kam jedoch alles ein wenig anders, als gedacht.

Teil 1:
Bangkok

Nach nur einer Stunde Flug kamen wir im dreckigsten Juwel des Ostens an: Bangkok. Die Hauptstadt Thailands ist nicht nur auf dem Papier unvergleichbar groß und überwältigend, sogar vom Flugzeug direkt konnten wir die schiere Größe nur mutmaßen.

Wie immer ging es nach der Landung direkt mit dem Taxi Richtung Hotel, damit möglichst schnell die Lokalitäten ausgespäht werden konnten! Was allerdings sofort auffiel: überall am Flughafen und auch in der Stadt waren überlebensgroße Plakate vom ehemaligen – jetzt erst verstorbenem – König aufgehangen. Sehr viele Menschen trugen schwarz oder hatten spezielle Trauerschleifen an der Kleidung angebracht.

Diesmal gab es natürlich auch wieder ein paar Problemchen mit dem Taxi und so wurden wir einige 100m vor dem Hotel aus dem Taxi befördert, eine Baustelle versperrt den Weg. Also wieder alle Koffer gepackt, Rucksäcke aufgesetzt und den Rest zu Fuß zurückgelegt.

Im Hotel erwartete uns dann ein mittlerer Allergieschock den wir so schon eine Weile nicht mehr hatten: ein ziemlich abgeranzter Hund der scheinbar der Besitzerin gehörte lag im Eingangsbereich und eine, ihre Haare verbreitende, Katze lag direkt auf dem Tresen. Doch die eigentliche Überraschung wartete in unserem neuen Hotelzimmer auf uns:

Die Trennwand in unserem Zimmer zur Toilette war nur knapp 1m hoch! Die Toilette / Dusche war somit quasi Bestandteil des Zimmers, keine Tür, nur ein Vorhang . . . und natürlich hatte die Toilette somit auch kein Fenster, das Zimmer war das Fenster >.<

Nach der Vereinbarung von neuen Regeln bezüglich der Nutzung der Toilette ging es dann wie üblich die Gegend auskundschaften. Und wie üblich hatte Claudia auch schon ein vegetarisches Restaurant im Blick um wieder was neues zu probieren 😀

Von unserer Straße (Foto oben) ging es direkt um die Ecke und wir standen schon vor unserem neuen Stammlokal, dem „ethos“. Wir saßen klassisch auf dem Boden oder auch wahlweise am Tisch und hatten dort eine recht gute Auswahl, wenn auch verhältnismäßig etwas teurer.

Im Bücherregal, das als internationale Tauschstation diente, hatten sogar ein paar Touristen eine englische Version von Munchkin hinterlassen! Das war schon fast Heimat!:D

Direkt außerhalb unserer kleinen Seitenstraße lag dann eine recht bekannte „Shoppingstraße“ (Khaosan Road), die mit allerlei Streetfood und kleinen Marktständen und Läden lockte.

(Nein Mutti, es gab kein Tattoo! :D)

Hier gab es dann auch oft unser Mittagessen oder Abendbrot, entweder das kleine Nationalgericht „Pad Thai“ oder Sticky Rice mit Mango. Für ca. 1€ gab es da jeweils eine Portion und Gott wie vermissen wir den Sticky Rice! :O

Das gute alte traditionelle Thaibier . . .NICHT!

Nach dem ersten Tag ging es dann weiter die Stadt erkunden, schließlich gibt es hier mehr als genug zu sehen!

Insgesamt hatte das Viertel in dem wir uns bewegten einiges zu bieten. Darunter diverse kleine Geschäfte, Kameraläden und ein „Diebesmarkt“ der allerlei dubiose Artikel (Sextoys, Viagra) und generellen Schrott verkaufte. Auch hatten wir ein 4 stöckiges Kaufhaus gefunden, welches ausschließlich Handyhüllen, Ladekabel und andere Accessoires für Handys und Tabletts vertickte . . . 4 Etagen voll davon!

Auch einen Abstecher nach Chinatown haben wir gemacht – ja auch Bangkok hat ein Chinatown – und es sieht genauso klischeeartig bei Nacht aus, wie man es sich vorstellt. Riesige Werbetafeln in Rot und Gold, Streetfood, noble Fischrestaurants usw.

Eigentlich wollten wir in Chinatown ja noch einen großen Bogen von der oberen Parkhausetage fotografieren, leider war das Parkhaus jedoch gesperrt und ein Mann am Eingang erklärte uns, dass es erst in einem Jahr wieder öffnen würde. Warum, das konnten wir nicht herausfinden.

Also ging es wieder ins Hotel, Vorbereitungen für unsere Abreise nach Cha-am treffen! 🙂

Teil 2:
Cha-am

Wir hatten uns fest vorgenommen, noch einmal Strand und Sonne zu genießen. Seit Bali hatten wir das ja nicht mehr, also hatten wir eine Location mit schönem Strand, etwas weit ab vom Stadttrouble gesucht und fanden Cha-am.

Wir packten die Koffer, mal wieder, riefen ein Taxi zum Bahnhof und wurden kurz darauf im wohl geilsten Taxi in ganz Bangkok abgeholt. Von außen sah das Taxi ganz normal aus aber innen war es überall mit roten Leder überzogen und wirkte einfach nur edel!

Am Bahnhof hieß es dann wieder warten auf unseren Zug, Claudia wollte ja wie immer „rechtzeitig“ vor Ort sein 😀

Der Zug selbst war so typisch wie es nur ging: Deckenventilatoren als Klimaanlage, Fenster die ganz auf gehen und mehr Holz als Kunststoff verbaut, insgesamt also ein bleibender Eindruck. Das Ticket für die 4,5h lange Hinfahrt kostete uns übrigens 3€ pro Person.

Die größte Überraschung hatten wir dann an unserer vermeintlichen Haltestelle. Der Zug hält, wir checken die Zeit – ja hier sollten wir richtig sein. Wir gucken verwirrt, denn draußen ist es bereits Nacht und wir sehen absolut kein Licht, wir stehen mitten in der Pampa, nichtmal ein Bahnhof ist in Sicht.

Die beiden Mönche neben uns nicken uns jedoch freundlich zu „Yes Cha-am“. Wir krallen unsere Koffer, ich steige aus und seh mich um: nichts. Ich steh mitten auf den Gleisen, im Dunkeln und links und rechts von mir ist lediglich Kiesbett. Der Schaffner kommt und bestätigt „Yes Cha-am!“ und auch die Passagiere im Zug gucken raus und rufen uns ermutigend zu „Yes Cha-am!“. „Yes Cha-am am Arsch!“ denke ich „hier ist ja garnix!“ aber welche Option haben wir? Wir steigen also aus, und folgen dem wilden Händewedeln in Richtung des Zuganfangs, also laufen wir in die Richtung und schleifen unsere Koffer über den groben Kies, in Angst dass hier jederzeit ein anderer Zug vorbeikommen kann, ohne dass wir ihn groß vorher sehen würden.

Nach einigen Metern stellt sich raus, unser Zug war zu lang für den „Bahnhof“ in Cha-am und der hintere Abteil in dem wir saßen, konnte einfach nicht an die offizielle Station ranfahren . . .

Wir krabbeln Nachts also über den groben Schotter vor zum Bahnhof, freuen uns dass wir doch angekommen sind und kümmern uns wie immer erstmal um ein Taxi um möglichst schnell ins Hotel zu kommen. Dort erwartet uns ein Holländer mit seiner asiatischen Frau, die beiden bauen das Hotel gerade neu auf und sind extrem freundlich und auch das Zimmer ist echt ok für den Preis.

Cha-am selbst entpuppte sich leider am nächsten Morgen als ziemliches Kaff . . . der Strand war fad und kühl und scheinbar voller Quallen, niemand war wirklich im Wasser. Die Straßen waren leer von Menschen und voll von Hunden, scheinbar hatten wir den eigentlichen Touriort zur Off-Season erwischt. Das mag bei einigen Orten auch verlockend sein aber Cha-am war einfach nur öde. Wir erkundeten also die Stadt, probierten ein paar neue Gerichte, freuten uns über eine französische Bäckerei und eine halbwegs gute Pizza und ich lernte weiter viel über Fotografie. Nach 2 Wochen ging es dann auch schon wieder zurück nach Bangkok… ein etwas enttäuschender Strandurlaub :/

Also, wieder auf zum Bahnhof, diesmal ein Ticket für 1€ gekauft und ab in den Zug. Die Rückfahrt über hatten wir diesmal auch Tag, also konnten wir die Landschaft und den Ausblick genießen:

Nur eine „kleine“ Überflutung, bis hüfttief stand das Wasser an einigen Stellen. Nichts was die Menschen davon abhält, ihrem Leben nachzugehen, draußen zu frühstücken und Auto zu fahren.

Teil 3:
Bangkok

Und hier sind wir dann auch wieder: Bangkok! 😀

Diesmal ging es jedoch in ein etwas anderes Viertel, während wir vorher noch an einer der bekannten Streetfoodstraßen gewohnt haben, haben wir uns die letzten Tage direkt ins Rotlichtmilieu verfrachtet, die anrüchige Partymeile von Bangkok lockte mit Streetfood, billigen Hotels und teuren Nachtclubs. Da wir aber kein Bock hatten für ein Bier über 7€ zu zahlen, verbrachten wir hier nur sehr wenig Zeit. Stattdessen hatte Claudia mal wieder ein Restaurant im Blick, welches uns den Abschied versüßen und gleichzeitig erschweren sollte:

„MayVeggieHome“

Hier haben wir dann wirklich unsere letzten Baht verprasst, wechseln lohnte sich eh kaum, also können wir uns auch satt essen 😀 Die Preise waren im Vergleich zu europäischen Restaurants immer noch sehr preiswert aber auch bereits deutlich teurer als z.B. auf Bali.

Bangkok von oben
Teil 1

Für mich gab es jetzt allerdings auch noch 2 Ziele zu erfüllen, ich hatte mir jeweils ein Hochhaus rausgesucht von welchem ich unbedingt die Skyline von Bangkok fotografieren wollte. Nach ein wenig Recherche ging es dann auch recht spontan los zum ersten Spot!

Das erste Hochhaus war öffentlich zugänglich, Eintritt ca. 7€. Darin inklusive jedoch ein Früchtebuffet – All you can eat (genau das richtige für hungrige Backpacker!).

Dazu aber später mehr, zuerst die Aussicht!

Auf dem Turm entstand das folgende 360Grad-Panorama, mit einer potentiellen Druckgröße von locker 6x1m ist es aktuell das größte Foto in meinem Besitz und irgendwie auch das epischste! 🙂

Das abgefahrene an dem Turm war jedoch die Überraschung, die uns oben erwartete. Bis 17Uhr war alles fein, wir genossen den Ausblick, ich schoss Fotos.

Plötzlich gab es einen Ruck, der durch den Turm ging, der Boden wackelte und ich hatte das Gefühl das Gebäude stürzt ein, während sich die Aussichtsplattform des Turms – ohne Vorwarnung – anfing zu drehen!

Ganz langsam aber stetig bewegte sich die Plattform also unter uns und ruinierte mir damit nicht nur kurzfristig die Stimmung, sondern auch langfristig das Foto. Eigentlich hatte ich eine Langzeitbelichtung bei Nacht geplant gehabt . ..  tja nicht möglich wenn sich das Bild permanent verschiebt. Auf die Frage an den verantwortlichen Techniker, wann der Turm denn aufhöre sich zu drehen, erhielt ich ein enthusiastisches „Never, people want to move!“ . . .  hach ja.

Ein kleiner Videoeinblick wie „schnell“ die Plattform sich bewegte.

Und, falls ihr mehr sehen wollt: der 360Grad Blick über Bangkok im Video

Als wir dann genug vom drehenden Turm hatten, ging es nach unten zum Buffet. Vorher hatte ich aber noch die Idee, mein Zielfoto von der Raucherlounge des Turmes zu machen, die hatte relativ wenig Reflexionen im Fenster:

Beim Buffet erwartete uns dann eine tolle Überraschung, fast alles war auf Obstbasis, wenige Ausnahmen lediglich Gemüse. Dort gab es dann einige kreative Sachen zu bestaunen.

Hier unser erster Gang:

Von oben links nach unten rechts:

Bananenkuchen, Fruchtgelee im Glas, diverse getrocknete Früchte (Ananas, Mango) mit Schokolade überzogen, eingelegte Banane mit Kokossirup, diverse Obstsorten (Mango, Ananas, Papaya, verschiedene Melonensorten, Drachenfrucht und rote Drachenfrucht), Melone mit Gelee, welches mit Früchten gefüllt wurde. Fruchtsäfte, Fruchteis und noch mehr getrocknete Schokofrüchte.

Auf dem Weg zur Toilette entdeckte ich dann noch eine kleine Golfstation direkt zur Skyline gerichtet: also fix die Claudia geholt und eine Runde Golf gebucht!

Danach ging es dann auch wieder ganz edel mit dem Taxi zurück zum Hotel, nicht jedoch ohne vom Taxifahrer verarscht zu werden, welche Route genommen wurde . . . einige Taxifahrer versuchen halt immer wieder die längere Route zu nehmen – Uber hat da zum Glück bisher immer für uns entschieden.

Bangkok von oben
Teil 2

Für den nächsten Tag hatten wir auch wieder ein Hochhaus ausgesucht. Diesmal jedoch mit Rooftopbar und extrem fancy . . . also wieder in Schale geschmissen und auf ging es!

Hier verbrachten wir unseren letzten Sonnenuntergang unserer Reise und er wird immer einen besonderen Platz in meinen Erinnerungen haben. Nicht nur, dass er wirklich umwerfend war, sondern die ganze Stimmung, der Rückblick auf eine lange Reise, die jetzt ihr Ende finden sollte und all die Erfahrungen die gesammelt wurden, lassen diesen magischen Moment hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben.

Und dann war auch dieser Moment verflogen. Etwas nachdenklich und auch mit einem Hauch Vorfreude ging es zurück in das Hotel, denn morgen sollte der schwierigste Teil noch kommen, die Rückreise.

Zur Rückreise selbst möchte ich mich recht kurz halten, es lief alles recht reibungslos. Doch ein schönes „Detail“ möchte ich einfach erwähnen, denn es hat die Reise erst so richtig rund gemacht:

Niemand wusste von unserer Heimkehr! Offiziell hieß es, dass wir nach Thailand noch den Vietnam ein wenig erkunden.

Nichtmal die Freunde und auch nicht die Eltern hatten den Hauch einer Ahnung!

Nach einer langen Rückreise standen wir dann also da, Abends 20Uhr vor meinem Elternhaus und klingelten einfach mal. Die Reaktion war wie erwartet emotional. Ich bin froh, dass meine Mutti sich nicht am Abendbrot verschluckt hat und direkt nach den ersten Freudentränen  kam dann auch der verdiente Anschiss „Wieso hast du nicht Bescheid gesagt?!“

Darauf hatte ich auch wirklich keine vernünftige Erklärung außer, dass ich Überraschungen liebe.

Das gleiche haben wir dann auch bei Claudias Eltern abgezogen und auch hier waren die Reaktionen ähnlich – Freudentränen und fassungsloses Erstaunen.

Zu guter Letzt weihten wir dann langsam unsere Freunde in unser fieses Geheimnis ein – zuerst marschierten wir ganz selbstverständlich in unser kleines „Stammlokal“ in dem einmal monatlich ein Treffen ist und wurden auch da überschwänglich empfangen (Danke an dieser Stelle an Euch, falls Ihr das lest – es hat mir unheimlich viel bedeutet!) und auch Claudias Freunde haben wir langsam, einen nach dem anderen überrascht und schockiert – allein dafür würde ich jederzeit noch einmal verreisen!


Danke!

Danke nochmal an Freunde und auch Familie, die an uns während der Reise gedacht haben oder die sich bei uns gemeldet haben – das hat uns immer sehr viel bedeutet und es war ein schönes Gefühl, mitten in der Wüste Empfang zu haben und eine Nachricht aus der Heimat zu lesen. 

Danke auch an alle, die wir auf der Reise kennen lernen durften, die uns geholfen haben oder einfach nur ein Stück des Weges mit uns gereist sind. 

Thank you Trevor for taking care of us and spending so much time with us and for giving us more than we ever asked from your time to set us up with a reliable car – this trip would have probably ended after a few 100km without you!

Thank you Julia and Santtu for being amazing friends and sharing your time with us, for all the laughs and stories – we are looking forward to seeing you again!

Und natürlich auch Danke an Sandy und Sören. Es tut gut Euch jetzt so in der Nähe zu wissen – wir schwärmen immer wieder davon wie schön es ist, dass ihr dabei wart und das alles versteht. 

Und zu guter letzt: Danke an unsere Eltern, dass Ihr uns unterstützt habt, auch wenn es unglaublich schwierig sein musste uns gehen zu lassen.

Wir wissen jetzt, dass eine so lange Reise ein Privileg ist, wie es viele auf der Welt nicht haben und vielleicht auch niemals haben werden und wir haben dieses Privileg schätzen gelernt und dafür sind wir sehr dankbar.

Und jetzt heißt es: Auf zu neuen Abenteuern!